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Heute ist wohl wieder eine dieser Nächte...

..die man eigentlich nur mit experimentellem Jazz, Tabakrauch und Rotwein füllen kann. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, weniger solcher Nächte zu haben, im Gegenteil, will ich doch den Tag gestalten und die Nacht über schlafen, aber alte Gewohnheiten sind nicht zu leicht auszumerzen. Ich bin gespannt, welchen meiner Vorsätze ich als erstes erfülle.

Die Betonung an dieser Stelle liegt allerdings darauf, dass es sich mitnichten um Vorsätze für ein neues Jahr handelt, die man sich im Sektrausch an Silvester vornimmt, von solcherart Dingen halte ich bekanntermaßen nicht viel, da es keines konkreten Anlasses bedarf, Dinge die einem missfallen zu ändern.

Ich möchte ausserdem mehr Hemden tragen, ich mag Hemden. Morgen Mittag bin ich vage verabredet, etwas zu unternehmen mit einer alten Freundin, am Nachmittag dann werden mich meine Wege auf einen Spaziergang führen und den Rest des Abends werde ich entspannt vorm Rechner verbringen. Ob es jedoch so eine gute Idee war, sich so früh am Freitag morgen zum Schwimmen zu verabreden? Für gewöhnlich war das doch eher die Tageszeit, zu der ich mich ins Bett legte. Aber gut Ding will Weile haben und da ich seit einigen Monaten kaum noch das Bedürfnis habe, zurückzublicken, sondern mich im Gegenteil neuen Herausforderungen und Abenteuern stellen möchte, bin ich auch davon überzeugt - oder muss es um meiner selbst willen sein - dass mich der immense Ruck in der Umstrukturierung des Rhythmus, welchen ich ja in vorlesungsfreien Zeiten zu haben pflege, nicht aus dem Gleichgewicht bringen wird, viel mehr mein inneres Gleichgewicht stabilisieren könnte!

 

Zusätzlich wünsche ich mir ein Diktiergerät, wie Special Agent Dale Cooper eines hat. 

Mehr wird mit Sicherheit bald offenbart werden.

I have seen some slipshod backwater burgs, but the place takes the cake. What are we waiting for? Christmas? We've got work to do dammit!

 

Yilmaz

1.4.10 03:19


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Tücken der Technik

Etwa vier Jahre lebe ich nun in dem von aussen an einen Atombunker erinnernden Appartmentkomplex. An dieser Stelle will ich nicht über das Fenster an der Südseite lamentieren, was das Leben hier im Sommer unerträglich machen kann, denn weit oben ist es ja bekanntlich wärmer, nein viel mehr die Tatsache dass es der sechste Stock ist, in dem ich (noch) lebe, hat mir gerade in den letzten Wochen viel Kopfzerbrechen bereitet. Denn es gibt zwar einen Fahrstuhl, jedoch ist er durchschnittlich einmal im Monat ausser Betrieb. Ich habe mich stets gewundert, wie das geschehen kann, habe ich doch selbst schon schwere Lasten, wie Sofas darin transportiert.

Auch das laute Lachen eines Freundes, als er die Gravur "Baujahr 1966" sah hat mich nicht mal in geringster Weise zum Nachdenken gebracht. Vermutlich dachte sich Gott - oder eine andere höhere Existenz, so es diese denn gibt - dass soviel Ignoranz bestraft werden muss. Vor etwa zwei Monaten also, nach einem Abend mit viel Branntwein und vielen Zigaretten erschöpfte sich mein Vorrat an letzteren bis zu einem Level, wo keine mehr vorhanden waren. 

Nun bin ich davon überzeugt, dass es vielen Rauchern ähnlich geht wie mir, das meiste ist eine Kopfsache. Wir können im Zweifelsfalle Tagelang ohne Zigaretten auskommen, jedoch nur mit dem stetigen Bewusstsein "Ich kann theoretisch, also keine Panik", wenn Zigaretten, respektive Tabakvorräte vorhanden sind. Geht einem das braune Gold jedoch aus, ist es total egal, ob man gerade erst vor zwei Sekunden die Zigarette ausgemacht hat, es macht sich ein Gefühl des Unwohlseins breit, was in meinem Falle durch ausgiebigen Alkoholgenuss nur verstärkt wurde. Kurz gesagt, das "Ich muss Kippen holen" Syndrom. 

Das 21. Jahrhundert bietet uns glücklicherweise ausser Fahrstühlen noch andere Luxuriositäten, so beispielsweise eine 24 Stunden geöffnete Tankstelle auf der anderen Straßenseite, so dass ich nach dem obligatorischen Kleingeld zusammenkramen - oder war es das Suchen der EC-Karte? Sicher bin ich mir nicht mehr - mich auf meinem Weg nach unten befand, ein leckeres Eis in der Hand haltend. Nun habe ich weiter oben schon über Ignoranz und Sorgenfreiheit gesprochen, eigentlich wäre es ja nicht zu viel verlangt gewesen, sich länger Gedanken zu machen, wenn man ja schon mit den Eigenarten des Fahrstuhls vertraut ist. Nicht nur ist er oft genug kaputt, nein etwa einen Meter vor dem Erdgeschoss stockt er oft, für zwei bis fünf Sekunden, ehe die Fahrt endlich weitergeht. Dementsprechend dachte ich mir im ersten Moment auch nichts, als der alte Fahrstuhl für seine gewohnte Rast anhielt. Nein, ich schmunzelte sogar, als es die letzten Meter nach unten ging. 

Das Schmunzeln verflog allerdings relativ schnell, als die Tür sich nicht öffnen wollte und machte einem sehr ernsthaften Stirnrunzeln Platz. Nun bin ich keineswegs ein Vertreter der Devise alles mit Gewalt zu versuchen, nach dem Motto "Wat nich passt, wird passend gemacht", dennoch entschied ich mich dafür, die Schiebetür brachial.. nunja aufzuschieben eben, um die sich dahinter - beziehungsweise je nach Blickwinkel davor -  "normale" Tür aufzudrücken. Ging natürlich nicht! "Hm..", schoss es mir durch den Kopf "das musste ja irgendwann mal passieren!" und ich grinste wieder. Haute ein paarmal gegen Tür und Wände des kleinen Raumes - etwa ein Quadratmeter - ehe ich dann das tat, was die meisten von uns immer nur mit einem Streich in Verbindung bringen: Den Alarmknopf betätigen.

 Das ohrenbetäubende Piepen ließ mich erschrocken zusammenfahren, so dass mein schönes Eis nun den - meist dreckigen - Boden des Fahrstuhls zierte. Im zweiten Versuch hielt ich mir mit beiden Händen die Ohren zu und betätigte ungelenk den Knopf mit dem Ellenbogen. Nach dem lauten Piepen kam erstmal ein Rauschen, dann andere merkwürdige Geräusche, wie einige von uns sie vielleicht aus Science Fiction Filmen aus der Zeit unserer Großeltern kennen, bis sich dann schließlich eine verzerrte Stimme meldete: "Blablabalbalblbalbalabalba"

Ohne auch nur ein Wort verstanden zu haben meinte ich pflichtbewusst: "Äh ja, moin. Ich steck hier im Fahrstuhl fest.." und noch ehe ich dazu kam, darauf einzugehen, welchen Fahrstuhl ich denn meinte kam gleich die Antwort: "Ja machen sie die Tür nochmal zu und drücken sie ein anderes Stockwerk."

Im ersten Moment war ich so verblüfft, wie man denn eine geschlossene Schiebetür - die natürlich wieder zuging, nachdem ich sie mühsam aufgeschoben hatte - denn schließen könne,  so dass es ein paar Sekunden dauerte, bis ich zu der Einsicht kam, dass das nicht leuchtende Display mich auch nicht andere Knöpfe drücken ließ. "Naja ok, ich schick ihnen wen vorbei, dauert so ca. 20 Minuten", meinte die ominöse verzerrte Stimme und fügte ein freundliches "Bei ihnen alles klar?" hinzu. Ich bemühte mich so freundlich wie möglich zu klingen, denn von "alles klar" war ich ja weit entfernt, auch wenn ich es wohl mit Fassung getragen habe, setzte mich erstmal hin, wohlbedacht meine Hose nicht mit Eis zu besudeln und begann "Bohemian Rhapsody" zu singen, das längste Lied, das ich auswendig kann. Ausserdem ist es ein schönes Lied. 

Zwanzig Minuten. In der Zeit kann man theoretisch Bohemian Rhapsody singen UND noch bis 1000 zählen. Bei etwa 100 hatte ich aber keine Lust mehr und schloss die Augen, öffnete sie eine gefühlte Stunde später wieder, um erneut den Klassiker von Queen zu singen, diesmal - der Vielschichtigkeit des menschlichen Stimmorgans Tribut zollend - in einer anderen Tonlage. Kurz nach dem seichten "Anywhere the wind blows", mit dem dieses Meisterwerk endet, meldete sich mein Freund aus dem Land der rauschenden Stimmen wieder: "Ist der Kollege schon da? Naja sollte bald kommen, fünf Minuten ca."

Besagte fünf Minuten später sprach die blecherne Stimme weiter: "Also der Kollege ist jetzt da, aber wurde bei ihnen irgendwie das Schloss gewechselt? Er kommt nämlich nicht rein.."

Verblüfft schüttelte ich den Kopf, nach einem Moment des Schweigens realisierte ich - nicht ohne eine gewisse Erleichterung - das in einem vierzig Jahre alten Fahrstuhl sicherlich keine Kameras eingebaut sind und antwortete, dass der "Herr Kollege" einfach jemanden wachklingeln müsse, schob erneut in einem Kraftakt die Tür auf und sah einen ratlosen Mann vor der Haustür stehen, der mit den Schultern zuckte. Ich tat es ihm gleich, nahm die Finger von der Tür, so dass sie sich wieder krachend zuschob. 

Sein ausserirdischer Kollege - denn mittlerweile war ich fest davon überzeugt, dass er aus einem Ufo zu mir sprach - war anscheinend ebenso ratlos, denn nach dem Motto "aller guten Dinge sind drei" fügte er dem unglaublich dämlichen Ratschlag, die Schiebetür zu schließen und der unglaublich dämlichen Frage, ob es mir gut ginge, noch ein unglaublich dämliches "Wer könnte denn noch wach sein um diese Zeit?" hinzu.

Nun wohne ich zwar seit geraumer Zeit hier, kann aber die Kontakte mit meinen Nachbarn, die sich auf gelegentliches Grüßen im Treppenhaus beschränken an zwei Händen abzählen - die lauten Paarungsgeräusche meiner neuen Nachbarin mal aussen vor - so dass ich natürlich keine Antwort geben konnte. "Nun gut, er versuchts mal, ansonsten schick ich 'nen zweiten Kollegen vorbei, das kann aber 'ne dreiviertelstunde dauern."

Als jemand der weder eine Uhr, noch ein Handy bei sich trägt, konnte ich natürlich nur anhand der - mit Sicherheit durch Alkohol getrübten - Einschätzungen und Kalkulationen davon ausgehen, dass es mittlerweile irgendwas nach drei Uhr (nachts) sein musste. Seufzend ließ ich mich erneut nieder, bis letztenendes der beste Freund des Menschen - wenn man die Frau mitzählt, logischerweise nur der zweitbeste - mich rettete. 

Ja in diesem Haus, in dem es so strikt verboten ist, Tiere zu halten, in dieser Anhäufung von kleinen Ein-Zimmer Wohnungen hatte doch tatsächlich jemand einen Hund! Wer sonst kommt sonst auf die Idee, nachts um drei das Haus zu verlassen? 

Ende gut alles gut, die Tür öffnete sich, ein sehr vertraut wirkendes Gesicht grinste mich an, ich kann bis heute nicht sagen, an wen der Techniker mich erinnerte, aber es liegt mir quasi auf der Zunge. Peter Lustig war es nicht, das wäre mein erster Tipp gewesen, aber er wirkte wie gesagt sehr vertraut. "Sie sind meine Rettung", seufzend bahnte ich mich lächelnd an ihm vorbei und schlenderte euphorisch zur Tankstelle, gewillt mein Missgeschick nicht nur mit Tabak, sondern auch mit einigen Dosen Bier zu ertränken! 

Wenige Minuten später, verließ ich das Tankstellengebiet mit der Hose vollgestopft mit kühlen Kanistern und einer Packung Tabak, aus der ich gleich eine Handvoll nahm, um mir eine Zigarette zu drehen. Ein Fehler, wie ich daheim feststellen sollte, denn auf dem fünf Minuten dauernden Heimweg hatte ich das Objekt meiner Begierde, die Ursache meiner Gefangenschaft, die köstliche 30 Gramm Packung Pall Mall... VERLOREN!

 

 Aus diesem Fehler sollte ich erst Wochen später lernen - in mehrfacher Hinsicht - doch davon nächstes Mal mehr, in: "Tücken der Technik II" (ich weiß, "Wunder der Technik" steht auch noch aus, genau wie das an dieser Stelle angekündigte "Zwischen Angst und Adrenalin - eine wahre Schnapsidee", aber an dieser Stelle erstmal eine Zäsur.

 

beelzebub has a devil put aside for me!

 

Yilmaz

3.9.09 15:54


Dinge geschehen

Nach meinem strapaziösen Marsch vor einigen Monaten hat sich wieder etwas getan. Ohne an dieser Stelle die Ereignisse der letzten zwei Monate niederzuschreiben, möchte ich doch ein paar der Anekdoten preisgeben.

Zwei Tage später dachte ich, ich käme wieder voll und ganz klar und startete den zweiten Versuch, ins ferne Eppendorf zu reisen. Aber kaum saß ich im Bus, wurde mir wieder übel. Im Bus konnte ich logischerweise nicht weiterfahren, also stieg ich kurz entschlossen irgendwo östlich der Aussenalster aus und entschied mich dafür den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen, woraufhin ich mich erstmal prompt verlaufen habe. Mein Orientierungssinn ist nicht der schlechteste, aber meistens marschiere ich einfach auf Gefühl drauf los und orientiere mich an den Stadtplänen, die an Bushaltestellen hängen (sollten). Der Hinweg hat mich etwa eine Stunde meines Lebens gekostet, der Rückweg gleich drei davon. Und die ganze Strecke über habe ich gejammert, geflucht und inständig gehofft, dass doch irgendwo ein dummer Mensch ein unangeschlossenes Fahrrad hat stehen lassen.

Gegen Ende dieses 'Walkathons'  (ein Begriff, den ich zum ersten Mal auf dem Schüleraustausch Chicago im Jahr 2002 hörte - damals liefen ungefähr 500 Schüler von ihrer Schule zum Baseballstadion der Chicago irgendwas, nicht White Soxx, sondern das andere Team halt, um sich ein (langweiliges) Baseballspiel anzusehen) schien es sogar so, als sei mein Wunsch in Erfüllung gegangen, denn am Straßenrand stand ein Herrenloser Drahtesel ohne Schloss. Ärgerlicherweise für mich, waren die Schmerzen in den Beinen, Füßen und dem Rücken nicht stark genug, um gegen mein Gewissen anzukämpfen. Mir selbst wurde schon zweimal ein Fahrrad geklaut und ich weiß, wie unschön das ist. Sicher, hätte ich argumentieren können, dass wer sein Fahrrad nicht anschließt selber schuld sei, aber in meinen Augen ist das ein perverses Argument, in einer von Kriminalität durchtriebenen Welt, was illegale Handlungen verschönern und fördern soll, es würde an dieser Stelle sicher zu weit gehen, es mit dem chauvinistischen, unangebrachten, taktlosen und widerwärtigen Statement "Frauen die keine Unterwäsche tragen im Sommer, sind selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden" zu vergleichen, deshalb stelle ich an dieser Stelle eben jenes Statement einfach nur in den Raum - weise aber erneut darauf hin, dass das NICHT meine Einstellung widerspiegelt - und überlasse dem Leser seinen eigenen Teil der Interpretation.

Erwähnenswert ist die Sache mit dem Fahrrad aber aus folgendem Grund: Eine Woche später kaufte ich mir ein eigenes (korrekt: ließ kaufen). Seit etwa zwei Monaten nunmehr habe ich also wieder ein Fahrrad, ein Objekt in dessen Genuß ich seit ungefähr zwei Jahren nicht mehr gekommen war. Seitdem wurden meinem Entdeckungsdrang nahezu keinerlei Grenzen gesetzt und ich bin schon immense Strecken gefahren. 

Was ich über meine Art, eine Strecke anzugehen weiter oben erklärte, trifft selbstverständlich auch zu, wenn ich mich auf dem Sattel meines (geliebten) Fahrrads befinde. Da ist es aber nicht schlimm, wenn ich mich verfahre, nein ich fördere es mitunter sogar, um bei gutem Wetter - in der Stadt der Wolken, wo es an 300 Tagen im Jahr regnet - mehr von eben jener mitzubekommen.

Zu den Höhepunkten meiner Irrfahrten gehört wohl der Tag, als ich von Osdorf nach Barmbek fuhr, mit einem kleinen Schlenker über Eppendorf. Den Weg vom Eppendorfer Markt war ich ja schon einmal zu Fuß gegangen, wusste also ungefähr wo ich lang muss. Nach einer Weile kam ich an einer großen Villa vorbei, deren Eingang zwei bepanzerte Polizistinnen bewachten, etwa 10 Meter abseits ein Mannschaftswagen. Die Stirn runzelnd fuhr ich weiter, bog ab, bog nochmals ab, ließ mich von den großen Schildern, die mit Pfeilen den Weg in die "City" ausschilderten nicht verwirren. Eine Fehlentscheidung, denn etwa zwanzig Minuten später war ich erneut am Eppendorfer Markt. Fluchend fuhr ich weiter, mit dem festen Entschluss, diesmal nicht wieder im Kreis zu fahren. Etwas Angst hatte ich dann ja schon, angehalten zu werden. Immerhin würde es mir als Hüter des Gesetzes schon arg dubios vorkommen, wenn innerhalb einer halben Stunde gleich zweimal ein merkwürdiger Kerl mit seinem Fahrrad an mir vorbeifahren würde. Dazu noch in die selbe Richtung. Meine Befürchtungen waren allerdings unangebracht, so dass ich unbehelligt irgendwann mein Ziel erreichen konnte.

 

Schlimmer war da schon meine Reise nach Norderstedt. Ein Freund von mir wohnt dort und veranstaltet einmal im Monat einen Filmeabend, den er selbst "Der unterschätzte Film" getauft hat - der Name ist Programm und zwar meist ziemlich gutes!

Nach etwa einem halben Jahr kurzfristiger Absagen (es ist immerhin Norderstedt!), konnte ich mich aber bei (zu) gutem Wetter letztenendes doch dazu aufraffen, mich auf den Weg zu machen. Entgegen meiner Prinzipien entschied ich mich allerdings dazu, zuhause ersteinmal eine Wegbeschreibung anzufertigen. Keine besonders sorgfältige, sie sah in etwa wie folgt aus:

 

Steindamm <- Wandsbeker Landstr -> Straße xyz, So und so Weg,  -> Dingschausse.

 

Das ganze über die Hälfte einer DINA4 Seite. Der Weg war zunächst sehr interessant, man fährt von Hamm über Wandsbek, Barmbek und Bramfeld, bevor man auf der Straße ist, die einen immer nach Norden führt. Nach etwa einer Stunde weg in der Hitze erreichte ich eine U-Bahn Station. An dieser Stelle hätte ich abkürzen können, entschied mich jedoch dagegen. Wohl aber hielt ich an, um auf dem aushängenden Stadtplan die Richtigkeit meiner Route zu verifizieren. Bog ab. Fuhr weiter. Weiter. Und weiter. Eine lange lange Landstraße entlang und langsam keimte in mir der Verdacht auf, falsch abgebogen zu sein. Stur wie ich bin, fuhr ich dennoch erstmal weiter, bis ich letztenendes doch tatsächlich einen Passanten fand. Die nette alte Dame, die im Schatten eines Gebäudes stand - erwähnte ich schon, dass es ein heißer Tag war? - blickte mich erstaunt an. "Norderstedt? Nein, da sind sie hier ganz falsch, da ist Wellingsbüttel, wenn sie hier weiterfahren, kommen sie nach Poppenbüttel. Sie müssen diese Straße hier", sie zeigte auf besagte lange Landstraße, über die ich ja erst in dieses Kaff gekommen war! "fahren und irgendwann rechts, aber das ist ziemlich weit!"

Ich bedankte mich also, wünschte der alten Dame einen schönen Tag und verfluchte mich insgeheim, als ich zurückfuhr. Eine halbe Stunde später erreichte ich endlich den Brombeerenweg. An dieser Stelle möchte ich loswerden, dass zumindest bei mir der Straßenname "Brombeerenweg" Assoziationen mit einem kleinen gemütlichen Sträßchen mit vielen Bäumen und Büschen weckt  - keineswegs aber einer vierspurigen Straße! Mittlerweile war ich ziemlich erschöpft, zu Recht hielt ich also zum Fluchen und Trinken an, als ich merkte, dass ich mich erneut verfahren hatte. Glücklicherweise konnte ich mich an einer Bushaltestelle neu orientieren und schüttelte nur noch den Kopf, als ich erkannte, dass ich genau dort war, wo ich nicht sein wollte: Poppenbüttel!

Da hätte ich ja eigentlich auch direkt von Wellingsbüttel aus hinfahren können, aber nun gut, das Leben ist kein Ponyhof. Ich hämmerte mir also den Weg zur Glashütter Landstraße in mein Kurzzeitgedächtnis und fuhr erst einmal ein Stück weiter. Straßennamen verwirrten sowohl mich, als auch den netten alten Herren, den ich nach dem Weg zur Poppenbüttler Landstraße fragte: "Poppenbüttler Landstraße, Poppenbüttler Straße, Poppenbüttler Weg, Poppenbüttler Chausse, der Scheiß hier heißt doch alles gleich!", fluchte er laut und quittierte meine Danksagung und den obligatorischen Wünschen für einen schönen Tag nur mit einem nordisch-trockenen "Japp. Dito." 

Wenige Minuten später aber machte sich ein Lächeln auf meinem Gesicht breit, als ich merkte, dass ich endlich wieder auf meiner Route war. "Jetzt bin ich gleich da", frohlockte ich innerlich und fuhr weiter. Die Straße verwandelte sich irgendwann in eine richtige Landstraße, ohne Fuß und Radwege, dafür mit Pferdeäpfeln, Traktoren und riesigen Koppeln und Feldern. "Eindeutig Norderstedt", murmelte ich grinsend und begann ein kleines selbstgedichtetes Liedchen zu singen - ein Indiz dafür, dass ich schon ziemlich kaputt war. Verfahren konnte ich mich ohnehin nicht mehr, weil es nur noch geradeaus ging. Eine gefühlte Stunde quälte ich mich also durch die müde machende Landluft, ließ mich von der Sonne brutzeln und bekam bei jedem Traktor, der knatternd an mir vorbeizog einen kleinen Schrecken.

Endlich in der Straße, wo mein Gastgeber wohnt angekommen, hielt ich an und brüllte laut "I did it!", ohne mich um die Blicke der ortsansässigen Bauern zu kümmern. Schließlich war ich ja am Ziel!

Als mein Gastgeber die Tür öffnete, blickte er mich jedoch zutiefst erschrocken an. "Oh mein Gott, was ist dir denn passiert? Willst du ein Glas Wasser? Und ein Eis?"

Müde nickend begab ich mich ins Wohnzimmer, kam dann aber auf die Idee, doch mein Antlitz im Badezimmer mit etwas kühlem Wasser zu benetzen. Am dortigen Spiegel angekommen ging mir ein Licht auf. Kein Wunder, dass er Angst um mich hatte, sah doch mein Kopf aus wie eine Tomate - und ich meine nicht die literarische Tomate, die oft für diesen Vergleich herangezogen wird, sondern eine wirklich knallrote Tomate. Das ganze wurde mir auch von später ankommenden Gästen mit einem "Du bist mit dem Rad?! Ach deshalb siehst du so kaputt aus!" quittiert. 

Nichtsdestotrotz konnte ich meinen Film genießen, bin relativ zeitig danach aufgebrochen, diesmal mit dem festen Entschluss, mit Hilfe der U-Bahn den Weg abzukürzen. An jenem Abend lernte ich jedoch eine wichtige Lektion: Wenn man sich schon den Weg aufschreibt, sollte man Straßennamen nicht abkürzen. Mein Ziel war die U-Bahn Kiwittsmoor und ich wusste, dass ich "Ochsenzoll" abbiegen muss. Genauer gesagt musste ich "Am Ochsenzoll" abbiegen, auf meinem Zettel stand jedoch nur "Ochsenzoll", so dass ich etwa eine halbe Stunde auf der "Ochsenzoller Landstraße" langfuhr, nur um das Spiel, was ich schon auf dem Hinweg gespielt hatte, zu wiederholen: "U-Bahn? Naja da bist du hier falsch, du musst diese Straße", auch diese Passantin zeigte in die Richtung, aus der ich gekommen war "weiterfahren. Und dann beim Herold Center abbiegen." 

Mittlerweile war es ja schon dunkel, also konnte ich die Strecke nichteinmal genießen - abgesehen davon, dass es in Norderstedt gar nicht so viel zu genießen gibt - also fluchte und fluchte ich, bis ich endlich an der Station angekommen war - zwei Haltestellen von meinem Ursprünglichen Ziel entfernt.

 

Vielleicht habe ich ja meine Lektion aus dieser Irrfahrt gelernt, vielleicht aber auch nicht. Im Endeffekt tut Bewegung gut, das schöne Wetter hier sollte man ausnutzen, solange man es hat und Ortskenntnis dazuzugewinnen hat noch niemandem geschadet.

 

Nächstes Mal hier: Tücken und Wunder der Technik, ein Sommer mit viel Eis und Zigaretten, die Möglichkeiten, sich mit einem Fahrrad durch die Gegend zu begeben.

 

I'm the Walrus

 

Yilmaz

20.8.09 16:24


Manchmal ist weniger mehr..

..so in etwa meine Gedanken, als ich heute Mittag langsam nach Hause ging, die offene Colaflasche, aus der sämtliche Kohlensäure entwichen war in der linken Hand, stets bereit einen rettenden Schluck zu trinken, in der rechten die große Plastiktüte, für den Fall der Fälle.

Aber was für eine Art ist das, eine Geschichte anzufangen, mitten aus dem Kontext gerissen ohne auch nur die geringste Einleitung? Ich will also am Anfang beginnen:

 

Für den gestrigen Abend war ich ursprünglich verabredet mit einem Kommilitonen von mir, genauer gesagt seinem Mitbewohner, er hatte noch zwei Bücher von mir, die ich sehr gerne wieder lesen wollte. Das schöne und praktische - so meine Gedanken zu dem Zeitpunkt - war ja, dass die beiden nur eine Viertelstunde zu Fuß von meinem Domizil entfernt wohnten. Frohen Mutes machte ich mich also, nach unserer Konversation, die wir, wie es in diesem Zeitalter so oft üblich ist über einen Internetmessenger führten, und die von mir mit den Worten "joa ich latsch dann mal los ^^" beendet wurde, auf den Weg. Etwa eine Viertelstunde später stand ich dann vor dem mir vertrauten Apartmentkomplex und wollte auf die Klingel drücken, als mir auffiel dass die Namen auf den Klingelschildern mir überhaupt nicht vertraut vorkamen. Nun ist es so, dass ich zwar den Nachnamen meines Kommilitonen kenne - ausländische Namen lassen sich ja bekanntlich entweder sehr leicht, oder überhaupt nicht merken - den seines Mitbewohners jedoch nicht, also war ich unsicher. "Ist einer ausgezogen? Wohnt nur der andere noch hier?" Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich langsam den Weg auf und abging. Vielleicht hatte ich mich ja auch nur in der Hausnummer geirrt. 

Nach einer weiteren Viertelstunde, die ich mit planlosem Herumstehen, gehen um den Block und mustern der Klingelschilder verbrachte konnte ich aufeinmal eine aufgeregte Frauenstimme durch eines der halboffenen Fenster hören. "Man da steht so ein komischer Typ draussen und guckt seit ner Viertelstunde in meine Küche!!!" Anscheinend dachte sie ich hätte irgendetwas unlauteres vor. In diesem Moment war mir klar, dass ich langsam nach Hause gehen sollte, um - wieder mittels Internet - die beiden zu kontaktieren. Ich versuchte also nochmal mein Glück, drückte auf das Klingelschild, welches laut meiner Erinnerung bei meinem letzten Besuch noch mit anderen Namen beschriftet war und fragte nach meiner Zielperson. "Nee da sind sie hier falsch", sagte man mir. 

Die nächste Viertelstunde verbrachte ich mit dem Heimweg und viel Gefluche. Zuhause angekommen sah ich schon von der Wohnungstür aus das kleine blinkende Fenster auf meinem Bildschirm, was meine Erwartungen bestätigen sollte: "oh shit. wir sind umgezogen, weißt du das? wir wohnen seit 3 monaten woanders"

Ein wenig schmunzeln musste ich ja doch, trotz meiner Verärgerung. Ich verabredete mich also für 12 Uhr Mittag des heutigen Tages um meine Bücher abzuholen. 

 

Schelm und Chaot der ich bekanntlich bin, hatte meine Vorgehensweise mit frühem Schlafengehen in etwa so viel zu tun, wie Apfelsaft mit einer Pistole. Nein, nein. Durchmachen war angesagt. "Ansonsten verschlaf ich doch sicher", dachte ich. Dummerweise hatte ich bei meinem letzten Einkauf ein paar Minuten zu lang in der Getränkeabteilung des Supermarkts verbracht. Irgendwann in der Nacht war ich also vollgefüllt mit Bier und weit von dem wachen Zustand den ich mir eigentlich erhofft hatte entfernt. Dass ich mich um sieben Uhr dafür entschied, doch wenigstens drei Stunden zu schlafen, war ein Plan der ebenso nach hinten losging, denn kaum hatte ich eine waagerechte Position eingenommen, begann alles, sich zu drehen. Manchem mag der Zustand des zu starken Rausches der einen vom Schlaf abhält bekannt sein, er wird mit Sicherheit mit mir fühlen in dieser Situation. Nach einer Stunde sinnlosen Hin und Herwälzens entschied ich mich also dafür lieber erstmal eine dreiviertelstunde in der Dusche zu sitzen. Etwas später auf meinem Weg zum Bahnhof rauchte ich dann eine weitere Zigarette. Ich dachte mir noch "Hoffentlich sind Kater und Müdigkeit bald weg"

Aufgrund meiner Müdigkeit wollte ich mir am Bahnhofskiosk eine Cola und für die Fahrt eine Morgenpost kaufen, leider kam die Bahn direkt gleichzeitig mit mir am Bahnsteig an. Keine Zeit also für so einen Unfug. Voll war es auch. Nur ein Platz frei direkt hinter dem Fahrer, mit dem Rücken in Fahrtrichtung. "Was solls", dachte ich mir. "Ich bin doch keine alte Frau der schlecht beim Rückwärtsfahren wird", lehnte mich also ans Fenster und schloss die Augen. Ein fataler Fehler.

 

Drei Stationen später war ich am Hauptbahnhof angekommen. Meilenweit von meinem Ziel entfernt. Aufeinmal brach die Hölle los. Brechreiz, Übelkeit und ein massives Schwindelgefühl durchfluteten ruckartig meinen Körper. Ich sprang auf, konnte gerade noch aus der Bahn, ehe die Türen sich schlossen. Panisch sah ich mich um und versuchte Luft zu bekommen. "Nicht umkippen.. und ja nicht hier in die Menschenmenge kotzen.. kauf dir was zu trinken, schnell", meine Gedanken in diesem Moment. Da Morgenpost und Coca Cola zum Glück keine Marken sind, die exklusiv an einem Bahnhof in der Welt verkauft werden, kam ich doch noch zu meinem Glück. Einen großen Schluck später begann ich in der Zeitung zu blättern und auf die nächste Bahn zu warten. Ein fataler Fehler.

 

Die Buchstaben verschwammen vor meinen Augen, die Übelkeit setzte ruckartig genau da wieder ein, wo sie zuvor von der Cola verdrängt wurde. Ich musste dringend aus dem Tunnelgewölbe des Bahnhofs raus an die frische Luft. Oben angekommen ging es mir allerdings kaum besser. Der Brechreiz wurde immer stärker, ich sah vor mir einen McDonalds. Nun sagt man ja aus Fehlern lernt nur der, der auch aus ihnen lernen will. Ich erinnerte mich jedoch an eine Situation, damals vor vielen Jahren, als ich auf dem Kiez eine der Toiletten um einen großen Teil meines Mageninhalts bereichert hatte und danach nach Hause wollte. An dem Abend hielt ich es für klug noch etwas in den Magen zu kriegen und kaufte mir einen Cheeseburger - zusammen mit anderem Zeugs landete er im Nachhinein dann allerdings sehr schnell auf den Sitzen einer S-Bahn.

Ohne das Debakel wiederholen zu wollen, schritt ich also schleunigst an McDonalds vorbei. Die Augen fiebrig nach vorn gerichtet, nicht zu weit nach vorn natürlich, denn weiter als drei Meter zu sehen, oder sogar über den Weg nachzudenken, hinterließ bei mir das Gefühl von noch stärkerer Übelkeit. Mit dem Blick halb auf den Boden gerichtet, ging ich also langsam weiter. Einfach immer weiter, hauptsache bewegen. In der Ferne konnte ich auf der anderen Straßenseite ein Gebüsch erkennen. Irgendwie schaffte ich es auch mich dort hin zuschlagen.

 

Die kleine grüne Oase in die ich mich gerettet hatte, konnte man mitnichten als Idyllisch bezeichnen. Eine von etwa drei größeren Buschanlagen auf einem grünen Inselstreifen zwischen zwei großen Straßen, glücklicherweise nicht wie die gegenüberliegende besetzt von Obdachlosen in ihren Schlafsäcken. Dennoch nicht schön. Zwischen Hundekot und Müll stehend sah ich mich um, als mein Magen sich langsam aber sicher beruhigte. "Raus damit", dachte ich mir, als mein Blick auf die benutzte Spritze fiel, die in einem Zweig über mir steckte, und versuchte mich zu übergeben. Erfolglos. Nach etwa einer Viertelstunde, die ich dort stand entschied ich mich dazu, langsam wieder zum Bahnhof zu gehen. Der Weg war nicht besonders gefüllt, es begann langsam zu nieseln und ich war der festen Überzeugung, dass ich auf dem Wege der Besserung wäre. 11.40 war es, ich hatte also durchaus noch Spielraum, meine Verabredung warzunehmen. Jeder Schritt in Richtung der Menschenmasse am Bahnhof verschlechterte meine Kondition allerdings so sehr, dass ich - an der Kreuzung angekommen - mit den Händen gegen die Schläfen gepresst und schwer schnaufend, hoffen musste weder auf der Straße umzukippen, noch sie zu bespeien.

 

Mit letzter Kraft schleppte ich mich in die Apotheke an der Ecke. Die Warteschlange, die aus einer Person vor mir bestand war beinahe unerträglich. Selbstverständlich hatte ich keinen Spiegel bei, aber der besorgte Blick der Apothekerin sprach mehr als tausend Worte. Ich muss käsebleich ausgesehen haben, einem Ohnmachtsanfall nahe. "Irgendwas für Übelkeit, ich hätte mich eben beinahe in der Bahn übergeben", presste ich zwischen den Lippen heraus, konnte sowohl Vorschläge wie "Was festes Essen, ein Brötchen" (es war ja gerade ein Notfall ich konnte nicht auch noch in eine Bäckerei) oder "Zäpfchen die wirken sofort" (für den Heimweg hätte ich ja wieder Bahn fahren müssen) abschmettern, nahm dankend eine Packung Tabletten für sieben Euro, eine kleine Tüte dafür, in die ich auch meine Zeitung und meine Cola steckte, einen Plastikbecher Wasser und eine größere Tüte, die man mir auf die Frage nach einer Toilette in der Nähe reichte. Um keinen weiteren Schaden anzurichten, stürzte ich nach einem schwach gemurmelten "Danke.." aus der Tür und ging ein Stück. 

 

Nun ist die Stadt in der ich Wohne laut einigen Stimmen die grünste Stadt Deutschlands. Die Straßen sind flankiert von Bäumen, die Bäume sind flankiert von merkwürdigen Absperrungen aus Eisen, deren Sinn und Zweck mir - abgesehen vom Anschließen eines Fahrrads - nie so wirklich klargeworden ist. In dem Moment war ich aber dankbar irgendwo sitzen zu können. Die nächste dreiviertelstunde von 11.45 bis 12.30 verbrachte ich zitternd, über eine große Plastiktüte gebeugt auf einer Eisenstange sitzend gegenüber vom Hamburger ZOB, dem Ort wo die großen Überlandbusse abfuhren. Der Blick war starr nach vorn gerichtet, Nachdenken führte zu Übelkeit, ebenso wie Blicke in die Ferne.

 

Nach einer Ewigkeit erhob ich mich langsam und schwankend. Bahnfahren war keine Option, Busfahren ebenso wenig. Glücklicherweise konnte ich irgendwann rausfinden in welcher Himmelsrichtung der Osten - mein Ziel - war. Langsam ging ich also etwa 200 Meter, bis zu einer Ampel, als mir aufeinmal wieder schlecht wurde. Ich drehte mich um, sah nur eine kleine etwa Fußhohe Mauer an einem elektronischen Tor, dahinter einen Parkplatz. Die nächste Viertelstunde saß ich dort, bis ich mich wieder halbwegs beruhigt hatte. "Das bringt nichts", dachte ich mir. "Ich muss irgendwie nach Hause"

Ich öffnete also meine Colaflasche, steckte den Deckel in die kleinere Tüte, nahm beides in die linke Hand, die große Tüte - jederzeit bereit, sie mit meinem Mageninhalt zu füllen - in die rechte und stapfte langsam und tapfer los. Kleine Schlucke zu mir nehmend, ging ich sicher dass vor dem Runterschlucken nur noch wenig Kohlensäure drin war. Langsames schweres Atem half mir auch, so dass ich erst nach 500 Metern eine weitere Pause einlegen musste. Diesmal auf einer richtigen Bank! Mit Gelegenheit mich anzulehnen!

Der Rest des Weges war eine Wohltat. Die Sonne schien, es war wunderbares Wetter, ein sanfter Wind wehte. Meine Beobachtung war, dass meine Übelkeit exponentiell mit der Anzahl der Menschen um mich herum anstieg, weitere Analysen dafür werden sicherlich bald folgen, aber das schöne war, dass der Weg auf dem ich nun ging sehr grün war. Nach etwa zwei Parks durch die ich spaziert war konnte ich die Türme der Hochhäuser die die Haltestelle Berliner Tor zieren erkennen. Frohen Mutes ging ich also weiter und begann langsam nachzudenken. Mein Kopf, der sich gepaart mit dem Schwindelgefühl vor wenigen Minuten noch so angefühlt hatte, als wäre nichts als ein nasser Schwamm drin, bekann langsam wieder zu funktionieren, so dass ich über Ursachen nachdenken konnte. 

Ob das sprichwörtliche letzte Bier schlecht war, die Menge Bier zu gewaltig, die Wechselwirkung mit anderen Substanzen ein gefährlicher Cocktail, der Schlafmangel schuld daran war, oder einfach der Stress und die Sorgen der letzten Monate. Ich war mir nicht sicher, vermutlich ein Teil von alldem. Nichtsdestotrotz bin ich der festen Überzeugung, dass ich für die nächsten Wochen und Monate erstmal einen größeren Bogen um den Alkohol machen werde und bei einem mir angebotenen Bier erstmal an meine Odyssee durch Osthamburg denken muss. Der Ausflug hatte mich einiges an Nerven und drei Stunden meines Lebens, die mir keiner wieder zurückerstattet gekostet, also war ich froh, dass wenigstens das Ende angenehm war - Sonnenschein und Park sind ein kräftiges Allheilmittel. 

 Zuhause angekommen um 14 Uhr galt mein erster Besuch dem Klo. Details seien an dieser Stelle ersparen, ich sage nur soviel: Meine Angst Erbrochenes in der U-Bahn, dem Bahnsteig oder der Apotheke zu verteilen war vollkommen unbegründet, denn mein Magen war ja leer. Nach weiterem halbstündigem Entspannen in der Dusche rief ich also meine Mutter an und jammerte ein wenig, darüber wie ungerecht das Leben doch zu mir sei. Danach versuchte ich mir ihre Ratschläge zu Herzen zu nehmen: Etwas essen und irgendwie ablenken. Aber wie ablenken? Längeres schauen auf den Monitor oder den Fernseher brachte die Übelkeit wieder, Musik hören alleine reichte nicht aus, da meine Gedanken dann schnell wieder um die Übelkeit kreisen konnten, und somit selbige verstärkten - was meine Annahme, dass ein großer Teil dieses Jammertals Psychosomatisch bedingt war - Lesen war ohnehin unmöglich, da die Buchstaben lieber Tango tanzten, als stillzuhalten und egal ob liegen oder sitzen, nach einigen Sekunden wurde mir immer schlecht, bis ich die Position veränderte.

Ich versuchte das unmögliche: Ich legte mich ins Bett, schloß die Augen und murmelte einfach nur "schlafen, schlafen, schlafen".

Ich bin zwar nur ein Laie, der keine Ahnung von autogenem Training hat, aber es scheint geholfen zu haben. Notizen an mich also: Regelmäßiger schlafen, seltener trinken, Stress vermeiden.

Ein Rat den ich so an jeden hier weitergeben kann.

 

born under a bad sign, with a blue moon in your eyes

 

Yilmaz

5.6.09 00:17


Ein kleiner Teaser!

Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich anlässlich des ersten Aprils, auch meine Leser hier mit einem Aprilscherz schocken solle. Nachdem ich mich mehrere Minuten lang nicht zwischen "Ich werde in ein tibetisches Kloster gehen und nie wieder auch nur einen Computer ansehen" und "Hallo, hier spricht die Mutter des Blogautoren, mein Sohn ist leider tot" entscheiden konnte, habe ich dann doch ganz darauf verzichtet. Ergo: Keine Scherze hier, nur Tacheles!

 

Ich habe in letzter Zeit ziemlich viele spannende und tolle Serien und Filme gesehen, die ich hier jedem nur empfehlen kann. Momentan sind die Highlights meiner Woche "My Name is Earl", "How I met your mother", "24", "Heroes", "Lost", "Battlestar Galactica" und "Terminator Sarah Connor Chronicles". Letzteres muss ich aber erst noch sehen. All diese Serien haben wohl meine alten Hobbys, Anime und Wrestling langsam aber sicher abgelöst. Aber Wrestling wäre nicht Wrestling, wenn ich mich nicht doch von Zeit zu Zeit dafür begeistern könnte. Gerade heute erst, habe ich wieder davon geträumt, in meinen Augen ein ganz klares Zeichen, denn in nichteinmal einer Woche ist es wieder so weit: 

 

WRESTLEMANIA

 

Wenn alles gut läuft, werde ich Wrestlemania 25 bei und mit meinem guten Freund D. gucken. Warum ich das erwähne hat folgenden Grund: Wie schon mehrere Male von mir betont ist dies hier kein Blog, in dem ich über Serien oder andere meiner Hobbys berichte, es ist ein Blog, der die lustigsten Geschichten, die das Leben schreibt, in einer Momentaufnahme festhält und zusammenhangslos artikuliert dem Leser darbietet, damit er sich amüsieren mag (in dem Moment zähle ich mich selbst natürlich als ersten Leser meines eigenen Blogs). Und auch wenn ich heute für mich selbst, ohne zwar dagewesensein, jedoch mit nicht weniger Elan, die Jenischparksaison als eröffnet erklärt habe, wird es sicher noch eine Weile dauern, bis ich genug Leute davon überzeugt bekomme, doch mit mir in den Park zu gehen. 

Deshalb an dieser Stelle eine kleine Ankündigung. Der nächste Eintrag hier ist ausnahmsweise mal nichts, was mir passiert ist, sondern besagtem guten Freund D. 

Jener hat mehrere Jahre im doch gefährlichen Pflaster Dortmund gelebt, ohne dass er je aus erster Hand Kriminalität erleben musste. Ein Wunder? Vielleicht! Der Blitz schlägt niemals zweimal hintereinander an der selben Stelle ein? Humbug!

 

Lest demnächst hier: "Wie mein guter Freund D. nach drei Jahren friedlichem Dortmund, am Wochenende seiner Abreise in die Heimat gleich zweimal ausgeraubt wurde!" 

 

 damn it, we are running out of time

 

Yilmaz

1.4.09 06:07


Merkwürdigste Träume

Ich war heute verabredet, Filmeabend bei Yannic, ein allmonatliches Ritual, wo er uns einen "aussergewöhnlichen" Film zeigen möchte. Bisjetzt habe ich fast keines der Treffen verpasst. Von den dreimal, wo es stattfinden sollte, war ich jedesmal fast da. Das sollte sich ändern und heute sollte es endlich soweit sein - so mein Plan.

 

Gegen 15 Uhr, hab ich mich nochmal auf die Couch gehauen, in der Hoffnung, irgendwie angerufen zu werden - faul, ich weiß - was ich danach geträumt habe, war so ziemlich das abgefahrenste in langer Zeit.
Vielleicht kennt ihr das, wenn man Dinge träumt, die man eigentlich erledigen muss? Ganz fies, wenn man z.B. aufstehen muss für Uni/Arbeit, weiterdöst und träumt, man würde schon längst unter der Dusche stehen, oder frühstücken.

Naja in meinem Traum war ich auf jeden Fall auf dem Weg zu Yannic. Gegen 20 Uhr bin ich los, also relativ spät, ich war stinksauer, dass Anna und stoff mich nicht angerufen haben, da habe ich mich auch nicht so sehr gewundert, dass die Briefkäste im Treppenhaus schief angeordnet waren und in meinem ein doppeltes Exemplar der MOPO war. In beiden waren genau die selben Felder des Sudokus ausgefüllt, nichtsdestotrotz schnappte ich mir eine, wollte gerade einen der beiden Kugelschreiber, die an einem Band aus rauen Fasern um meinen Hals hingen, greifen um weiterzulösen, als meine Nachbarn ins Treppenhaus kamen - den Heizkörper in der Hand.
Nachdem ich mir kurz angehört hatte, was sache ist, dachte ich mir: "Geh mal lieber zu Yannic, du kommst eh schon zu spät, zum Glück hast du genug Zigaretten für den Weg"
Ich nahm eine andere Straße, als gewöhnlich und sah schon schnell das U-Bahn Schild. "Nanu? Es sind doch noch bestimmt 50 Meter", grübelte ich, als ich jedoch um die Ecke kam, wurde aus meinem Grübeln pure Erstaunung. Denn das war nicht die vertraute Haltestelle der U3 "Hammer Kirche", von der aus man erst 3 Stationen bis zum Hauptbahnhof fahren müsste, um dort in die U1 zu steigen und mit jener Linie erstmal ziemlich lange zu fahren - irgendwann über von Anna erwähnte Kellinghusenstraße, die wohl irgendwo auf der Mitte zwischen Hauptbahnhof und Dänemark liegt.
Nein, die Station, die vor mir lag hieß "Tapsstrasse" oder so etwas.. während ich die Stufen hinunterhastete - immer 8 Stufen auf einmal, weil ich sehen konnte, dass die U-Bahn in einer Minute ankommen sollte. Merkwürdig, die Gegend, die ja nur 50 Meter von meiner Wohnung entfernt sein sollte, hatte ich noch nie zuvor gesehen. Die Penner und Obdachlosen, die sich auf dem Bahnsteig in Massen tummelten, ließen mich zwar nicht direkt unwohl fühlen, aber etwas überrascht war ich schon und letztenendes war ich auch der Grund, dass ich die Bahn nicht genau sehen konnte, als sie ankam. Sie fuhr mit ziemlicher Geschwindigkeit an und schon im Bremsvorgang rief der Bahnhofsvorsteher "Zurückbleiben bitte", ganz zu meiner Erstaunung. Ich versuchte die Tür zu öffnen, aber die Bahn fuhr ganz langsam weiter, um mich herum hörte ich andere Passagiere laut "Nein!" rufen, was mit einem weiteren trockenen "Zurückbleiben bitte" quittiert wurde. Erneut "Nein!", bis der Bahnhofsvorsteher schließlich die Nerven verlor: "Was soll das heißen??? Wer hat da gerade 'Nein' gerufen?!"
Mutig nutzte ich die Gelegenheit, um die Tür mit beiden Händen aufzureißen. Zwei ältere Herren, einer mit Glatze und Brille, der andere ein ziemlich identisches Ebenbild von Donald Sutherland sahen mich verwirrt an. Der Zug fuhr weiter. Ich machte einen Satz hinterher, versuchte nochmals, die sich schon wieder schließenden Türen auseinanderzureißen und einen mutigen Satz in den Waggon zu machen. Diesmal mit mehr erfolg! Ich konnte einen Fuß hineinsetzen, der andere hing weiter in der Luft und ich schwankte. Todesangst jetzt, da der Zug immer schneller fuhr, aber ich konnte die Türen ein letztesmal bezwingen. Mit einem Gefühl von Triumph glättete ich meinen Anorak, sah kurz grinsend zu Donald Sutherland und hielt mich zitternd an der Haltestange des kleinen schäbigen Waggons fest. "Geschafft. Nur eine Haltestelle  bis Kellinghusenstraße, sieht so aus, als würde ich letztenendes doch noch pünktlich kommen. Sobald ich da bin, muss ich Anna dringend erzählen, wie dumm sie doch ist, immer die U3 zu nehmen, wenn es auch viel schneller geht", dachte ich mir, öffnete die Augen und blinzelte verwirrt, denn die Uhr in der rechten unteren Ecke des Desktops, die ich aus meiner liegenden Position auf der Couch gerade so erkennen konnte, zeigte an, dass es gerade Mitternacht vorbei war.

Vielleicht ein andermal, Yannic!

 

down the telegraph road

 

Yilmaz

16.1.09 01:00


Über ein Monat, mhm? Zugegeben, das ist länger als ich ursprünglich geplant hatte. Habe mich die letzten Wochen auch nie besonders wohl dabei gefühlt, wenn ich Freunde wie Dima oder Teesche im MSN mit einem knappen "Ach, Dude. Momentan sind Semesterferien, da passiert einfach nichts spannendes, über das man schreiben könnte", abfertigen musste. Naja ein klein wenig hat sich mittlerweile getan. Ich bin nach wie vor zufriedener Nichtraucher, von durchschnittlich einer Kippe die Woche unter Alkohol oder Stresseinfluss mal abgesehen, dazu kommt, dass ich meine Person aus der Schusslinie diverser dummer Sprüche, bzw. Terroristenwitze gezogen habe, indem ich mich dazu entschieden habe, dem Bart erstmal wieder auf ungewisse Zeit Lebewohl zu sagen.

Uninteressant? Jaja, es ist ja durchaus noch mehr passiert. Die Uni hat wieder begonnen. Wer mich nun aber fragt, was ich denn so studiere dieses Semester, den muss ich vertrösten. Aufgrund einer Menge technischer und bürokratischer Komplikationen verschiebt sich bei mir alles wieder um ein paar Tage, danke nochmal, Stine für den tollen Support, den du deinen Studenten gibst. Ende der Woche weiß ich mehr hoffe ich. Achja 23 geworden bin ich nebenbei ja auch noch, aber das weiß ja ohnehin jeder hier - hoffe ich! Anders anfühlen tut sich natürlich gar nichts, aber das sollte ja auch jeder hier wissen.

Dennis und ich suchen derweil weiter wacker nach einer tollen WG. Zugegeben er sucht momentan mehr als ich, was ich einfach mal auf Unistress und dergleichen schiebe. Es gibt so viele schöne Wohnungen in Hamburg, leider auch so viele Interessenten. Dabei gäbe es so viele Gründe, aus der Bude hier rauszuziehen. Nicht mehr von Arnes Vater mit "Billstedt, Hamm und Horn, erschuf der Herr im Zorn", geärgert zu werden, ist nur einer davon. Aber das ist eine andere Geschichte, vielleicht erzähl ich die ja bald in einem Post namens "Weißt du noch.... als ich mal drei Tage obdachlos war?". In diesem Sinne.

 

The Autumn Leaves... dabeldibeldamdamdam Jazzjazzjazz.

 

Yilmaz

27.10.08 19:52


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