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Manchmal ist weniger mehr..

..so in etwa meine Gedanken, als ich heute Mittag langsam nach Hause ging, die offene Colaflasche, aus der sämtliche Kohlensäure entwichen war in der linken Hand, stets bereit einen rettenden Schluck zu trinken, in der rechten die große Plastiktüte, für den Fall der Fälle.

Aber was für eine Art ist das, eine Geschichte anzufangen, mitten aus dem Kontext gerissen ohne auch nur die geringste Einleitung? Ich will also am Anfang beginnen:

 

Für den gestrigen Abend war ich ursprünglich verabredet mit einem Kommilitonen von mir, genauer gesagt seinem Mitbewohner, er hatte noch zwei Bücher von mir, die ich sehr gerne wieder lesen wollte. Das schöne und praktische - so meine Gedanken zu dem Zeitpunkt - war ja, dass die beiden nur eine Viertelstunde zu Fuß von meinem Domizil entfernt wohnten. Frohen Mutes machte ich mich also, nach unserer Konversation, die wir, wie es in diesem Zeitalter so oft üblich ist über einen Internetmessenger führten, und die von mir mit den Worten "joa ich latsch dann mal los ^^" beendet wurde, auf den Weg. Etwa eine Viertelstunde später stand ich dann vor dem mir vertrauten Apartmentkomplex und wollte auf die Klingel drücken, als mir auffiel dass die Namen auf den Klingelschildern mir überhaupt nicht vertraut vorkamen. Nun ist es so, dass ich zwar den Nachnamen meines Kommilitonen kenne - ausländische Namen lassen sich ja bekanntlich entweder sehr leicht, oder überhaupt nicht merken - den seines Mitbewohners jedoch nicht, also war ich unsicher. "Ist einer ausgezogen? Wohnt nur der andere noch hier?" Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich langsam den Weg auf und abging. Vielleicht hatte ich mich ja auch nur in der Hausnummer geirrt. 

Nach einer weiteren Viertelstunde, die ich mit planlosem Herumstehen, gehen um den Block und mustern der Klingelschilder verbrachte konnte ich aufeinmal eine aufgeregte Frauenstimme durch eines der halboffenen Fenster hören. "Man da steht so ein komischer Typ draussen und guckt seit ner Viertelstunde in meine Küche!!!" Anscheinend dachte sie ich hätte irgendetwas unlauteres vor. In diesem Moment war mir klar, dass ich langsam nach Hause gehen sollte, um - wieder mittels Internet - die beiden zu kontaktieren. Ich versuchte also nochmal mein Glück, drückte auf das Klingelschild, welches laut meiner Erinnerung bei meinem letzten Besuch noch mit anderen Namen beschriftet war und fragte nach meiner Zielperson. "Nee da sind sie hier falsch", sagte man mir. 

Die nächste Viertelstunde verbrachte ich mit dem Heimweg und viel Gefluche. Zuhause angekommen sah ich schon von der Wohnungstür aus das kleine blinkende Fenster auf meinem Bildschirm, was meine Erwartungen bestätigen sollte: "oh shit. wir sind umgezogen, weißt du das? wir wohnen seit 3 monaten woanders"

Ein wenig schmunzeln musste ich ja doch, trotz meiner Verärgerung. Ich verabredete mich also für 12 Uhr Mittag des heutigen Tages um meine Bücher abzuholen. 

 

Schelm und Chaot der ich bekanntlich bin, hatte meine Vorgehensweise mit frühem Schlafengehen in etwa so viel zu tun, wie Apfelsaft mit einer Pistole. Nein, nein. Durchmachen war angesagt. "Ansonsten verschlaf ich doch sicher", dachte ich. Dummerweise hatte ich bei meinem letzten Einkauf ein paar Minuten zu lang in der Getränkeabteilung des Supermarkts verbracht. Irgendwann in der Nacht war ich also vollgefüllt mit Bier und weit von dem wachen Zustand den ich mir eigentlich erhofft hatte entfernt. Dass ich mich um sieben Uhr dafür entschied, doch wenigstens drei Stunden zu schlafen, war ein Plan der ebenso nach hinten losging, denn kaum hatte ich eine waagerechte Position eingenommen, begann alles, sich zu drehen. Manchem mag der Zustand des zu starken Rausches der einen vom Schlaf abhält bekannt sein, er wird mit Sicherheit mit mir fühlen in dieser Situation. Nach einer Stunde sinnlosen Hin und Herwälzens entschied ich mich also dafür lieber erstmal eine dreiviertelstunde in der Dusche zu sitzen. Etwas später auf meinem Weg zum Bahnhof rauchte ich dann eine weitere Zigarette. Ich dachte mir noch "Hoffentlich sind Kater und Müdigkeit bald weg"

Aufgrund meiner Müdigkeit wollte ich mir am Bahnhofskiosk eine Cola und für die Fahrt eine Morgenpost kaufen, leider kam die Bahn direkt gleichzeitig mit mir am Bahnsteig an. Keine Zeit also für so einen Unfug. Voll war es auch. Nur ein Platz frei direkt hinter dem Fahrer, mit dem Rücken in Fahrtrichtung. "Was solls", dachte ich mir. "Ich bin doch keine alte Frau der schlecht beim Rückwärtsfahren wird", lehnte mich also ans Fenster und schloss die Augen. Ein fataler Fehler.

 

Drei Stationen später war ich am Hauptbahnhof angekommen. Meilenweit von meinem Ziel entfernt. Aufeinmal brach die Hölle los. Brechreiz, Übelkeit und ein massives Schwindelgefühl durchfluteten ruckartig meinen Körper. Ich sprang auf, konnte gerade noch aus der Bahn, ehe die Türen sich schlossen. Panisch sah ich mich um und versuchte Luft zu bekommen. "Nicht umkippen.. und ja nicht hier in die Menschenmenge kotzen.. kauf dir was zu trinken, schnell", meine Gedanken in diesem Moment. Da Morgenpost und Coca Cola zum Glück keine Marken sind, die exklusiv an einem Bahnhof in der Welt verkauft werden, kam ich doch noch zu meinem Glück. Einen großen Schluck später begann ich in der Zeitung zu blättern und auf die nächste Bahn zu warten. Ein fataler Fehler.

 

Die Buchstaben verschwammen vor meinen Augen, die Übelkeit setzte ruckartig genau da wieder ein, wo sie zuvor von der Cola verdrängt wurde. Ich musste dringend aus dem Tunnelgewölbe des Bahnhofs raus an die frische Luft. Oben angekommen ging es mir allerdings kaum besser. Der Brechreiz wurde immer stärker, ich sah vor mir einen McDonalds. Nun sagt man ja aus Fehlern lernt nur der, der auch aus ihnen lernen will. Ich erinnerte mich jedoch an eine Situation, damals vor vielen Jahren, als ich auf dem Kiez eine der Toiletten um einen großen Teil meines Mageninhalts bereichert hatte und danach nach Hause wollte. An dem Abend hielt ich es für klug noch etwas in den Magen zu kriegen und kaufte mir einen Cheeseburger - zusammen mit anderem Zeugs landete er im Nachhinein dann allerdings sehr schnell auf den Sitzen einer S-Bahn.

Ohne das Debakel wiederholen zu wollen, schritt ich also schleunigst an McDonalds vorbei. Die Augen fiebrig nach vorn gerichtet, nicht zu weit nach vorn natürlich, denn weiter als drei Meter zu sehen, oder sogar über den Weg nachzudenken, hinterließ bei mir das Gefühl von noch stärkerer Übelkeit. Mit dem Blick halb auf den Boden gerichtet, ging ich also langsam weiter. Einfach immer weiter, hauptsache bewegen. In der Ferne konnte ich auf der anderen Straßenseite ein Gebüsch erkennen. Irgendwie schaffte ich es auch mich dort hin zuschlagen.

 

Die kleine grüne Oase in die ich mich gerettet hatte, konnte man mitnichten als Idyllisch bezeichnen. Eine von etwa drei größeren Buschanlagen auf einem grünen Inselstreifen zwischen zwei großen Straßen, glücklicherweise nicht wie die gegenüberliegende besetzt von Obdachlosen in ihren Schlafsäcken. Dennoch nicht schön. Zwischen Hundekot und Müll stehend sah ich mich um, als mein Magen sich langsam aber sicher beruhigte. "Raus damit", dachte ich mir, als mein Blick auf die benutzte Spritze fiel, die in einem Zweig über mir steckte, und versuchte mich zu übergeben. Erfolglos. Nach etwa einer Viertelstunde, die ich dort stand entschied ich mich dazu, langsam wieder zum Bahnhof zu gehen. Der Weg war nicht besonders gefüllt, es begann langsam zu nieseln und ich war der festen Überzeugung, dass ich auf dem Wege der Besserung wäre. 11.40 war es, ich hatte also durchaus noch Spielraum, meine Verabredung warzunehmen. Jeder Schritt in Richtung der Menschenmasse am Bahnhof verschlechterte meine Kondition allerdings so sehr, dass ich - an der Kreuzung angekommen - mit den Händen gegen die Schläfen gepresst und schwer schnaufend, hoffen musste weder auf der Straße umzukippen, noch sie zu bespeien.

 

Mit letzter Kraft schleppte ich mich in die Apotheke an der Ecke. Die Warteschlange, die aus einer Person vor mir bestand war beinahe unerträglich. Selbstverständlich hatte ich keinen Spiegel bei, aber der besorgte Blick der Apothekerin sprach mehr als tausend Worte. Ich muss käsebleich ausgesehen haben, einem Ohnmachtsanfall nahe. "Irgendwas für Übelkeit, ich hätte mich eben beinahe in der Bahn übergeben", presste ich zwischen den Lippen heraus, konnte sowohl Vorschläge wie "Was festes Essen, ein Brötchen" (es war ja gerade ein Notfall ich konnte nicht auch noch in eine Bäckerei) oder "Zäpfchen die wirken sofort" (für den Heimweg hätte ich ja wieder Bahn fahren müssen) abschmettern, nahm dankend eine Packung Tabletten für sieben Euro, eine kleine Tüte dafür, in die ich auch meine Zeitung und meine Cola steckte, einen Plastikbecher Wasser und eine größere Tüte, die man mir auf die Frage nach einer Toilette in der Nähe reichte. Um keinen weiteren Schaden anzurichten, stürzte ich nach einem schwach gemurmelten "Danke.." aus der Tür und ging ein Stück. 

 

Nun ist die Stadt in der ich Wohne laut einigen Stimmen die grünste Stadt Deutschlands. Die Straßen sind flankiert von Bäumen, die Bäume sind flankiert von merkwürdigen Absperrungen aus Eisen, deren Sinn und Zweck mir - abgesehen vom Anschließen eines Fahrrads - nie so wirklich klargeworden ist. In dem Moment war ich aber dankbar irgendwo sitzen zu können. Die nächste dreiviertelstunde von 11.45 bis 12.30 verbrachte ich zitternd, über eine große Plastiktüte gebeugt auf einer Eisenstange sitzend gegenüber vom Hamburger ZOB, dem Ort wo die großen Überlandbusse abfuhren. Der Blick war starr nach vorn gerichtet, Nachdenken führte zu Übelkeit, ebenso wie Blicke in die Ferne.

 

Nach einer Ewigkeit erhob ich mich langsam und schwankend. Bahnfahren war keine Option, Busfahren ebenso wenig. Glücklicherweise konnte ich irgendwann rausfinden in welcher Himmelsrichtung der Osten - mein Ziel - war. Langsam ging ich also etwa 200 Meter, bis zu einer Ampel, als mir aufeinmal wieder schlecht wurde. Ich drehte mich um, sah nur eine kleine etwa Fußhohe Mauer an einem elektronischen Tor, dahinter einen Parkplatz. Die nächste Viertelstunde saß ich dort, bis ich mich wieder halbwegs beruhigt hatte. "Das bringt nichts", dachte ich mir. "Ich muss irgendwie nach Hause"

Ich öffnete also meine Colaflasche, steckte den Deckel in die kleinere Tüte, nahm beides in die linke Hand, die große Tüte - jederzeit bereit, sie mit meinem Mageninhalt zu füllen - in die rechte und stapfte langsam und tapfer los. Kleine Schlucke zu mir nehmend, ging ich sicher dass vor dem Runterschlucken nur noch wenig Kohlensäure drin war. Langsames schweres Atem half mir auch, so dass ich erst nach 500 Metern eine weitere Pause einlegen musste. Diesmal auf einer richtigen Bank! Mit Gelegenheit mich anzulehnen!

Der Rest des Weges war eine Wohltat. Die Sonne schien, es war wunderbares Wetter, ein sanfter Wind wehte. Meine Beobachtung war, dass meine Übelkeit exponentiell mit der Anzahl der Menschen um mich herum anstieg, weitere Analysen dafür werden sicherlich bald folgen, aber das schöne war, dass der Weg auf dem ich nun ging sehr grün war. Nach etwa zwei Parks durch die ich spaziert war konnte ich die Türme der Hochhäuser die die Haltestelle Berliner Tor zieren erkennen. Frohen Mutes ging ich also weiter und begann langsam nachzudenken. Mein Kopf, der sich gepaart mit dem Schwindelgefühl vor wenigen Minuten noch so angefühlt hatte, als wäre nichts als ein nasser Schwamm drin, bekann langsam wieder zu funktionieren, so dass ich über Ursachen nachdenken konnte. 

Ob das sprichwörtliche letzte Bier schlecht war, die Menge Bier zu gewaltig, die Wechselwirkung mit anderen Substanzen ein gefährlicher Cocktail, der Schlafmangel schuld daran war, oder einfach der Stress und die Sorgen der letzten Monate. Ich war mir nicht sicher, vermutlich ein Teil von alldem. Nichtsdestotrotz bin ich der festen Überzeugung, dass ich für die nächsten Wochen und Monate erstmal einen größeren Bogen um den Alkohol machen werde und bei einem mir angebotenen Bier erstmal an meine Odyssee durch Osthamburg denken muss. Der Ausflug hatte mich einiges an Nerven und drei Stunden meines Lebens, die mir keiner wieder zurückerstattet gekostet, also war ich froh, dass wenigstens das Ende angenehm war - Sonnenschein und Park sind ein kräftiges Allheilmittel. 

 Zuhause angekommen um 14 Uhr galt mein erster Besuch dem Klo. Details seien an dieser Stelle ersparen, ich sage nur soviel: Meine Angst Erbrochenes in der U-Bahn, dem Bahnsteig oder der Apotheke zu verteilen war vollkommen unbegründet, denn mein Magen war ja leer. Nach weiterem halbstündigem Entspannen in der Dusche rief ich also meine Mutter an und jammerte ein wenig, darüber wie ungerecht das Leben doch zu mir sei. Danach versuchte ich mir ihre Ratschläge zu Herzen zu nehmen: Etwas essen und irgendwie ablenken. Aber wie ablenken? Längeres schauen auf den Monitor oder den Fernseher brachte die Übelkeit wieder, Musik hören alleine reichte nicht aus, da meine Gedanken dann schnell wieder um die Übelkeit kreisen konnten, und somit selbige verstärkten - was meine Annahme, dass ein großer Teil dieses Jammertals Psychosomatisch bedingt war - Lesen war ohnehin unmöglich, da die Buchstaben lieber Tango tanzten, als stillzuhalten und egal ob liegen oder sitzen, nach einigen Sekunden wurde mir immer schlecht, bis ich die Position veränderte.

Ich versuchte das unmögliche: Ich legte mich ins Bett, schloß die Augen und murmelte einfach nur "schlafen, schlafen, schlafen".

Ich bin zwar nur ein Laie, der keine Ahnung von autogenem Training hat, aber es scheint geholfen zu haben. Notizen an mich also: Regelmäßiger schlafen, seltener trinken, Stress vermeiden.

Ein Rat den ich so an jeden hier weitergeben kann.

 

born under a bad sign, with a blue moon in your eyes

 

Yilmaz

5.6.09 00:17
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Teesche / Website (19.8.09 17:54)
Dude,

ich möchte bitte mehr von dir lesen. Du schreibst so prall unterhaltsam! Check doch mal einfach irgendwas cooles neues aus und schreib auf, was so ging.

Teesche

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