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Dinge geschehen

Nach meinem strapaziösen Marsch vor einigen Monaten hat sich wieder etwas getan. Ohne an dieser Stelle die Ereignisse der letzten zwei Monate niederzuschreiben, möchte ich doch ein paar der Anekdoten preisgeben.

Zwei Tage später dachte ich, ich käme wieder voll und ganz klar und startete den zweiten Versuch, ins ferne Eppendorf zu reisen. Aber kaum saß ich im Bus, wurde mir wieder übel. Im Bus konnte ich logischerweise nicht weiterfahren, also stieg ich kurz entschlossen irgendwo östlich der Aussenalster aus und entschied mich dafür den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen, woraufhin ich mich erstmal prompt verlaufen habe. Mein Orientierungssinn ist nicht der schlechteste, aber meistens marschiere ich einfach auf Gefühl drauf los und orientiere mich an den Stadtplänen, die an Bushaltestellen hängen (sollten). Der Hinweg hat mich etwa eine Stunde meines Lebens gekostet, der Rückweg gleich drei davon. Und die ganze Strecke über habe ich gejammert, geflucht und inständig gehofft, dass doch irgendwo ein dummer Mensch ein unangeschlossenes Fahrrad hat stehen lassen.

Gegen Ende dieses 'Walkathons'  (ein Begriff, den ich zum ersten Mal auf dem Schüleraustausch Chicago im Jahr 2002 hörte - damals liefen ungefähr 500 Schüler von ihrer Schule zum Baseballstadion der Chicago irgendwas, nicht White Soxx, sondern das andere Team halt, um sich ein (langweiliges) Baseballspiel anzusehen) schien es sogar so, als sei mein Wunsch in Erfüllung gegangen, denn am Straßenrand stand ein Herrenloser Drahtesel ohne Schloss. Ärgerlicherweise für mich, waren die Schmerzen in den Beinen, Füßen und dem Rücken nicht stark genug, um gegen mein Gewissen anzukämpfen. Mir selbst wurde schon zweimal ein Fahrrad geklaut und ich weiß, wie unschön das ist. Sicher, hätte ich argumentieren können, dass wer sein Fahrrad nicht anschließt selber schuld sei, aber in meinen Augen ist das ein perverses Argument, in einer von Kriminalität durchtriebenen Welt, was illegale Handlungen verschönern und fördern soll, es würde an dieser Stelle sicher zu weit gehen, es mit dem chauvinistischen, unangebrachten, taktlosen und widerwärtigen Statement "Frauen die keine Unterwäsche tragen im Sommer, sind selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden" zu vergleichen, deshalb stelle ich an dieser Stelle eben jenes Statement einfach nur in den Raum - weise aber erneut darauf hin, dass das NICHT meine Einstellung widerspiegelt - und überlasse dem Leser seinen eigenen Teil der Interpretation.

Erwähnenswert ist die Sache mit dem Fahrrad aber aus folgendem Grund: Eine Woche später kaufte ich mir ein eigenes (korrekt: ließ kaufen). Seit etwa zwei Monaten nunmehr habe ich also wieder ein Fahrrad, ein Objekt in dessen Genuß ich seit ungefähr zwei Jahren nicht mehr gekommen war. Seitdem wurden meinem Entdeckungsdrang nahezu keinerlei Grenzen gesetzt und ich bin schon immense Strecken gefahren. 

Was ich über meine Art, eine Strecke anzugehen weiter oben erklärte, trifft selbstverständlich auch zu, wenn ich mich auf dem Sattel meines (geliebten) Fahrrads befinde. Da ist es aber nicht schlimm, wenn ich mich verfahre, nein ich fördere es mitunter sogar, um bei gutem Wetter - in der Stadt der Wolken, wo es an 300 Tagen im Jahr regnet - mehr von eben jener mitzubekommen.

Zu den Höhepunkten meiner Irrfahrten gehört wohl der Tag, als ich von Osdorf nach Barmbek fuhr, mit einem kleinen Schlenker über Eppendorf. Den Weg vom Eppendorfer Markt war ich ja schon einmal zu Fuß gegangen, wusste also ungefähr wo ich lang muss. Nach einer Weile kam ich an einer großen Villa vorbei, deren Eingang zwei bepanzerte Polizistinnen bewachten, etwa 10 Meter abseits ein Mannschaftswagen. Die Stirn runzelnd fuhr ich weiter, bog ab, bog nochmals ab, ließ mich von den großen Schildern, die mit Pfeilen den Weg in die "City" ausschilderten nicht verwirren. Eine Fehlentscheidung, denn etwa zwanzig Minuten später war ich erneut am Eppendorfer Markt. Fluchend fuhr ich weiter, mit dem festen Entschluss, diesmal nicht wieder im Kreis zu fahren. Etwas Angst hatte ich dann ja schon, angehalten zu werden. Immerhin würde es mir als Hüter des Gesetzes schon arg dubios vorkommen, wenn innerhalb einer halben Stunde gleich zweimal ein merkwürdiger Kerl mit seinem Fahrrad an mir vorbeifahren würde. Dazu noch in die selbe Richtung. Meine Befürchtungen waren allerdings unangebracht, so dass ich unbehelligt irgendwann mein Ziel erreichen konnte.

 

Schlimmer war da schon meine Reise nach Norderstedt. Ein Freund von mir wohnt dort und veranstaltet einmal im Monat einen Filmeabend, den er selbst "Der unterschätzte Film" getauft hat - der Name ist Programm und zwar meist ziemlich gutes!

Nach etwa einem halben Jahr kurzfristiger Absagen (es ist immerhin Norderstedt!), konnte ich mich aber bei (zu) gutem Wetter letztenendes doch dazu aufraffen, mich auf den Weg zu machen. Entgegen meiner Prinzipien entschied ich mich allerdings dazu, zuhause ersteinmal eine Wegbeschreibung anzufertigen. Keine besonders sorgfältige, sie sah in etwa wie folgt aus:

 

Steindamm <- Wandsbeker Landstr -> Straße xyz, So und so Weg,  -> Dingschausse.

 

Das ganze über die Hälfte einer DINA4 Seite. Der Weg war zunächst sehr interessant, man fährt von Hamm über Wandsbek, Barmbek und Bramfeld, bevor man auf der Straße ist, die einen immer nach Norden führt. Nach etwa einer Stunde weg in der Hitze erreichte ich eine U-Bahn Station. An dieser Stelle hätte ich abkürzen können, entschied mich jedoch dagegen. Wohl aber hielt ich an, um auf dem aushängenden Stadtplan die Richtigkeit meiner Route zu verifizieren. Bog ab. Fuhr weiter. Weiter. Und weiter. Eine lange lange Landstraße entlang und langsam keimte in mir der Verdacht auf, falsch abgebogen zu sein. Stur wie ich bin, fuhr ich dennoch erstmal weiter, bis ich letztenendes doch tatsächlich einen Passanten fand. Die nette alte Dame, die im Schatten eines Gebäudes stand - erwähnte ich schon, dass es ein heißer Tag war? - blickte mich erstaunt an. "Norderstedt? Nein, da sind sie hier ganz falsch, da ist Wellingsbüttel, wenn sie hier weiterfahren, kommen sie nach Poppenbüttel. Sie müssen diese Straße hier", sie zeigte auf besagte lange Landstraße, über die ich ja erst in dieses Kaff gekommen war! "fahren und irgendwann rechts, aber das ist ziemlich weit!"

Ich bedankte mich also, wünschte der alten Dame einen schönen Tag und verfluchte mich insgeheim, als ich zurückfuhr. Eine halbe Stunde später erreichte ich endlich den Brombeerenweg. An dieser Stelle möchte ich loswerden, dass zumindest bei mir der Straßenname "Brombeerenweg" Assoziationen mit einem kleinen gemütlichen Sträßchen mit vielen Bäumen und Büschen weckt  - keineswegs aber einer vierspurigen Straße! Mittlerweile war ich ziemlich erschöpft, zu Recht hielt ich also zum Fluchen und Trinken an, als ich merkte, dass ich mich erneut verfahren hatte. Glücklicherweise konnte ich mich an einer Bushaltestelle neu orientieren und schüttelte nur noch den Kopf, als ich erkannte, dass ich genau dort war, wo ich nicht sein wollte: Poppenbüttel!

Da hätte ich ja eigentlich auch direkt von Wellingsbüttel aus hinfahren können, aber nun gut, das Leben ist kein Ponyhof. Ich hämmerte mir also den Weg zur Glashütter Landstraße in mein Kurzzeitgedächtnis und fuhr erst einmal ein Stück weiter. Straßennamen verwirrten sowohl mich, als auch den netten alten Herren, den ich nach dem Weg zur Poppenbüttler Landstraße fragte: "Poppenbüttler Landstraße, Poppenbüttler Straße, Poppenbüttler Weg, Poppenbüttler Chausse, der Scheiß hier heißt doch alles gleich!", fluchte er laut und quittierte meine Danksagung und den obligatorischen Wünschen für einen schönen Tag nur mit einem nordisch-trockenen "Japp. Dito." 

Wenige Minuten später aber machte sich ein Lächeln auf meinem Gesicht breit, als ich merkte, dass ich endlich wieder auf meiner Route war. "Jetzt bin ich gleich da", frohlockte ich innerlich und fuhr weiter. Die Straße verwandelte sich irgendwann in eine richtige Landstraße, ohne Fuß und Radwege, dafür mit Pferdeäpfeln, Traktoren und riesigen Koppeln und Feldern. "Eindeutig Norderstedt", murmelte ich grinsend und begann ein kleines selbstgedichtetes Liedchen zu singen - ein Indiz dafür, dass ich schon ziemlich kaputt war. Verfahren konnte ich mich ohnehin nicht mehr, weil es nur noch geradeaus ging. Eine gefühlte Stunde quälte ich mich also durch die müde machende Landluft, ließ mich von der Sonne brutzeln und bekam bei jedem Traktor, der knatternd an mir vorbeizog einen kleinen Schrecken.

Endlich in der Straße, wo mein Gastgeber wohnt angekommen, hielt ich an und brüllte laut "I did it!", ohne mich um die Blicke der ortsansässigen Bauern zu kümmern. Schließlich war ich ja am Ziel!

Als mein Gastgeber die Tür öffnete, blickte er mich jedoch zutiefst erschrocken an. "Oh mein Gott, was ist dir denn passiert? Willst du ein Glas Wasser? Und ein Eis?"

Müde nickend begab ich mich ins Wohnzimmer, kam dann aber auf die Idee, doch mein Antlitz im Badezimmer mit etwas kühlem Wasser zu benetzen. Am dortigen Spiegel angekommen ging mir ein Licht auf. Kein Wunder, dass er Angst um mich hatte, sah doch mein Kopf aus wie eine Tomate - und ich meine nicht die literarische Tomate, die oft für diesen Vergleich herangezogen wird, sondern eine wirklich knallrote Tomate. Das ganze wurde mir auch von später ankommenden Gästen mit einem "Du bist mit dem Rad?! Ach deshalb siehst du so kaputt aus!" quittiert. 

Nichtsdestotrotz konnte ich meinen Film genießen, bin relativ zeitig danach aufgebrochen, diesmal mit dem festen Entschluss, mit Hilfe der U-Bahn den Weg abzukürzen. An jenem Abend lernte ich jedoch eine wichtige Lektion: Wenn man sich schon den Weg aufschreibt, sollte man Straßennamen nicht abkürzen. Mein Ziel war die U-Bahn Kiwittsmoor und ich wusste, dass ich "Ochsenzoll" abbiegen muss. Genauer gesagt musste ich "Am Ochsenzoll" abbiegen, auf meinem Zettel stand jedoch nur "Ochsenzoll", so dass ich etwa eine halbe Stunde auf der "Ochsenzoller Landstraße" langfuhr, nur um das Spiel, was ich schon auf dem Hinweg gespielt hatte, zu wiederholen: "U-Bahn? Naja da bist du hier falsch, du musst diese Straße", auch diese Passantin zeigte in die Richtung, aus der ich gekommen war "weiterfahren. Und dann beim Herold Center abbiegen." 

Mittlerweile war es ja schon dunkel, also konnte ich die Strecke nichteinmal genießen - abgesehen davon, dass es in Norderstedt gar nicht so viel zu genießen gibt - also fluchte und fluchte ich, bis ich endlich an der Station angekommen war - zwei Haltestellen von meinem Ursprünglichen Ziel entfernt.

 

Vielleicht habe ich ja meine Lektion aus dieser Irrfahrt gelernt, vielleicht aber auch nicht. Im Endeffekt tut Bewegung gut, das schöne Wetter hier sollte man ausnutzen, solange man es hat und Ortskenntnis dazuzugewinnen hat noch niemandem geschadet.

 

Nächstes Mal hier: Tücken und Wunder der Technik, ein Sommer mit viel Eis und Zigaretten, die Möglichkeiten, sich mit einem Fahrrad durch die Gegend zu begeben.

 

I'm the Walrus

 

Yilmaz

20.8.09 16:24
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Teesche / Website (20.8.09 16:47)
Fett Mann, sehr geile Tour! Ich kann an heißen Tagen übrigens auch sehr empfehlen, nachts an der Elbe nach Falkenstein zu fahren (von der City aus). Ist derbe ruhig, und wenn man gerade so um den Sonnenaufgang herum fährt, ist es einfach der Shit überall.
Falls du mal so ohne Ziel fahren willst, nur aus Bock.

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